Gedanken/ Sein

Date mit meiner Angst …


Wahrscheinlich erstaunt es niemanden, dass ich diesen Artikel genau jetzt schreibe. Denn in der aktuellen Situation beherrscht die Angst unser Leben. Aus rational denkenden Menschen werden plötzlich hysterisch hamsternde Verschwörungstheoretiker. In diesem Klima ist es wirklich wirklich schwierig, sich nicht von diesen Energien anstecken zu lassen. Und ja, auch ich habe Angst. Nicht Angst vor dem Virus oder davor wirklich krank zu werden. Nein ich habe Angst vor der Unsicherheit. Vor dem was noch auf uns zu kommt und der Frage: wie geht es weiter?? 

Seit ich diesen Dienstag die Praxis schliessen musste und irgendwie auch nicht so genau weiss, wie und wann es weitergeht, ist die Unsicherheit noch grösser geworden. Was soll ich bloss meinen Patienten sagen und raten? Wie geht es finanziell weiter? Welche Schritte müssen getroffen werden? Wer sind meine Ansprechpartner in dieser Situation? Was heisst das für meine Arbeit generell?? Wird das bisherige Arbeiten auch wieder möglich sein?

Meine Geschichte

Angst ist kein neues Thema für mich. Mich begleitet die Angst schon mein ganzes Leben lang. Nur wusste ich lange nicht, dass es Angst ist, die mir das Leben manchmal so schwer macht. Dafür brauchte ich viele Therapien und Coachings. Um am Ende zu erkennen, dass (fast) all meine körperlichen Symptome oft Ausdruck einer Emotion sind. Jep. Selbst wir Therapeuten sind manchmal schwer von Begriff 🙂

Aber eigentlich geht es mir nicht darum, meine Story möglichst dramatisch zu schildern, sondern ich möchte gerne vom Umgang mit der Angst erzählen.

Aber eigentlich geht es mir nicht darum, meine Story möglichst dramatisch zu schildern, sondern ich möchte gerne vom Umgang mit der Angst erzählen. Denn das ist das, was aktuell wirklich wichtig ist.

Wie gesagt, ich habe lange nicht gemerkt, dass ich Angst habe. Ich hatte einfach immer körperliche (teil sehr schwere) Symptome, die sich kein Arzt erklären konnte. Und die gingen nicht weg. Nicht durch gesunde Ernährung, nicht durch viel Sport und nicht durch eine berufliche Auszeit. Sie wurden manchmal weniger um dann plötzlich wieder voll (und total anders) da zu sein. Und wenn man (wie ich) dazu neigt, allem auf den Grund zu gehen, immer wissen zu wollen, wieso was passiert, dann ist das super anstrengend und eine Reise ins Nirgendwo.

Denn immer wenn ich wieder zu einem schlüssig tönenden Grund für meine Beschwerden gekommen bin, dann wurde plötzlich wieder alles anders. Und so musste ich erkennen, dass mir mein sehr analytischer Verstand da einfach nicht weiterhelfen kann oder mich sogar blockiert. Denn ich neige dazu, alles in meinem Kopf zu schubladisieren und dann zu verstauen. Kann ich mir etwas nicht erklären, dann suche ich so lange nach einer Erklärung, bis ich eine gefunden habe, die schlüssig erscheint und dann kann ich das Problem für mich abhaken und in der Schublade versorgen. Leider findet das ganze nur im Kopf statt. Und ich wähn(t)e mich dann in Sicherheit. Problem solved. 

Das Problem an diesen Problemen (sehr schöner Satzbeginn- bin unglaublich stolz) ist ja, dass der Kopf zwar etwas als gelöst betrachtet, es aber irgendwie beim Körper oder der Seele nicht ankommt. Hmm. Und so lange es auf der Ebene nicht gelöst ist oder zumindest nicht „angesprochen“ wurde, wird sich genau nichts verändern. Jedenfalls war das bei mir so.

Meine Analyse- App

Mein Kopf und mein Verstand sind unglaublich schnell und lösungsorientiert. Kaum spüre ich etwas, dann beginnt sich die Maschinerie schon in Gang zu setzten. „Ah das kenne ich ja bereits, das muss das sein“. „Dann habe ich wohl gestern etwas Falsches gegessen!“ Oder „nein, gestern habe ich ja korrekt gegessen, dann wird es wohl an dem Stress im Geschäft gelegen haben.“ „Ah nein gestern war ja Sonntag, das kann ja gar nicht sein.“ Und die Suche geht weiter. Und weiter… 

Es erstaunt so nicht, dass ich oft unglaublich müde war/bin. Wenn man sich überlegt, dass dieses System – nennen wir es Analyse-App- immer im Hintergrund abläuft und alles analysiert. Den ganzen Tag und wahrscheinlich auch oft in der Nacht. Da wünscht man sich schon mal eine Stromspartaste oder den Flugmodus 🙂

Es war also irgendwie klar, dass ich meine Symptome nicht über den Verstand lösen konnte. Und ich sage es gerne nochmals- ja auch wir Therapeuten sind manchmal schwer von Begriff 🙂

Der andere Weg

Also musste ein anderer Weg her. Ich musste Zugang zu meiner Seele, meinem Unterbewusstsein erlangen. Nur wie sollte das gehen?

Mein Weg war da kein spezieller. Wie viele andere vor mir bin ich über den Yoga in die Ruhe gekommen. Mein Körper konnte durch die Bewegung die Anspannung abbauen und mein Geist kam in der Meditation zur Ruhe. Und in der Ruhe zu merken, dass meine Beschwerden kleiner werden oder nicht mehr da sind, machte mich unglaublich dankbar.

Aber auch da war ich noch nicht weiter. Denn kaum waren die Ausbildungen und somit meine Inseln der Ruhe vorbei, ging der Alltag wieder los und alles war beim Alten. Und ich wollte das alles doch nicht. Ich wollte meine Ruhe und meinen Frieden!

Ich versuchte dann neben dem Yoga über viel Sport meinen Körper zu entspannen. Das gelang auch immer mal wieder über längere Phasen sehr gut. Aber manchmal musste ich so viel Sport machen, dass mein Körper dann gestreikt hat. Und dann hatte ich wieder Beschwerden. Einfach andere als die vor denen ich „weggerannt“ bin.

Natürlich habe ich daneben auch meditiert. Aber manchmal wenn die Beschwerden zu gross waren und die Anspannung auf ein unerträgliches Mass angestiegen, dann ging es einfach nicht. Schon ein normales Ein- und Ausatmen brachte mich an den Rand einer Panikattacke.

Und für diese Situationen habe ich die Hypnose entdeckt. Hypnose war für mich lange Zeit etwas das ich sehr argwöhnisch betrachtet habe. Ich hatte mal während meiner Teenagerzeit eine Hypnose-CD zum Abnehmen. Und leider hat das gewichtsmässig nichts gebracht, aber ich habe während der Hypnose wirklich gut geschlafen :). Heute weiss ich, dass das ja eigentlich ein gewünschter Effekt ist und ich setzte es auch so ein. In der Hypnose kommen wir von den Gehirnwellen in den Bereich der dem Schlaf ähnelt. Und in diesem Bereich kommt man einfach an das Unterbewusstsein. Der Verstand oder das Überbewusstsein sind dann „ausgeschaltet“. Wenn nun also eine Hypnose Dich so zur Ruhe bringt, dass Du fast oder sogar einschläfst, dann hat sie für mich ihren Zweck schon erfüllt. Es bringt deine Analyse App so zur Ruhe, dass Du evt. wieder Zugang zu Deinem Unterbewusstsein bekommst. Und mir hat es die gewünschte Ruhe gebracht.

Dasselbe passiert in der Meditation. Und das Schöne ist, dass es in dieser Ruhe plötzlich möglich ist, mit seinem Körper oder der Seele zu kommunizieren. Aktuell scanne ich während der Meditation meinen Körper nach Orten ab, an denen die Energie nicht fliesst oder nicht fliessen kann. Diesen Orten widme ich dann meine Aufmerksamkeit. Manchmal frage ich auch nach, was der Druck oder die Enge gerne möchte. Ich versuche, hinzuhören und anzunehmen, dass die Empfindung da ist. Und manchmal bekommt man Antworten.

Vielleicht ist der Druck da, um mich zu schützen. Die Enge, um mich vor Gefahr zu warnen.


Vielleicht ist der Druck da, um mich zu schützen. Die Enge, um mich vor Gefahr zu warnen. Und deshalb danke ich dem Druck und der Enge und sage ihnen dass ich sehr dankbar bin, dass sie zu mir gucken. Und manchmal nehme ich dann das Gefühl dahinter war. Habe ich Angst?

Und wenn ich merke, dass da Angst ist, versuche ich auch die Angst anzunehmen und gebe ihr Raum. Denn es ist okay Angst zu haben. An der Angst kann man nicht sterben. Und manchmal löst sich dann der Druck und die Enge. Auch dafür bedanke ich mich.

Diese beiden (Druck und Enge) wurden jedoch seit meiner Kindheit programmiert auf mich aufzupassen. Und sie nehmen ihren Job sehr ernst. Also sitzen sie beide am nächsten Morgen oder beim nächsten unsicheren Moment wieder da. Aber inzwischen sind wir so etwas wie Freunde. 

Auch wenn ich finde, dass sich die beiden wirklich schwer tun im loslassen. Aktuell versuche ich gerade ihnen ein neues Kunststück beizubringen. Und zwar sollen sie mir ihre Energie zur Verfügung stellen. Statt mich zu blockieren, mich zu unterstützen. Aber es ist ein Work in Progress 🙂

Fazit

Was ich eigentlich damit sagen will ist folgendes: statt sic gegen die Angst und die Empfindungen zu wehren, ist es oft sinnvoller sie anzunehmen.

Was ich eigentlich damit sagen will ist folgendes: statt sich gegen die Angst und die Empfindungen zu wehren, ist es oft sinnvoller sie anzunehmen.



Und ja, ich bin mir voll und ganz bewusst, dass das einfacher gesagt als getan ist. Ich bin ja das beste Beispiel dafür, dass es nicht von heute auf morgen möglich ist :). Und man will diese Dinge auch einfach weghaben. Wer will schon Schmerzen? Wer will schon ängstlich sein?

Aber die Annahme und die Akzeptanz nehmen der Emotion oder der Empfindung ihre Dringlichkeit. Und wer weiss vielleicht werden sie sogar Freunde von Dir 🙂

Alles Liebe 

Deine Regula

P.S. Diese Erkenntnisse habe ich natürlich nicht ohne Hilfe und Unterstützung erlangt. Unten habe ich Dir eine App und eine Seite aufgelistet, die ich super finde und von denen ich viel profitiert habe.

Meditations-App: Insight Timer

Hypnosen/ Meditationen: www.britta-kimpel.com

 

 

 

 

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