TCM/ Ernährung

Der böse Zucker…

Eigentlich ist es uns allen klar. Zucker ist böse, Zucker macht uns krank und tut wirklich nicht gut. Aber dennoch schmeckt er einfach unglaublich gut. Oder ist das alles nur Einbildung?

Auch für mich ist es immer wieder ein Kampf mich nicht auf den Lockruf einzulassen. Ich verbinde so viele schöne Dinge mit Zucker, viele glückliche Schlemmermomente, die meisten aus der Kindheit. Und ich glaube bei mir hängen die sporadischen Zuckergelüste oft damit zusammen. Mit dem tollen Gefühl, dass mir ein Dessert als Kind gegeben hat. Leider tickt man als Kind auch anders und heute reicht ein Dessert allein nicht aus, um ein Problem zu lösen oder mich davon abzulenken.

Es macht wirklich Sinn weniger Zucker zu konsumieren.  Und dabei meine ich nicht mal nur die offensichtlichen Zuckerfallen wie Kekse, Kuchen und Co. Nein es geht mir auch um die versteckten Zuckerdepots. Die stecken nämlich fast überall drin. Jedenfalls fast überall in behandelten, zubereiteten und vorbereiteten Lebensmitteln. Also alles, was uns das Leben eigentlich einfacher gestalten soll (kochtechnisch gesehen) hat meistens ziemlich viel Zucker, Salz und sonstige Stabilisatoren drin. Macht ja irgendwie auch Sinn. Zucker und Salz helfen etwas schmackhafter und sogar haltbarer zu machen.

Das Problem daran ist, dass wir schon fast verlernt haben, wie viele Nahrungsmittel ursprünglich schmecken würden. Für den mit Zucker und/oder Salz verwöhnten Gaumen nämlich wohl eher fade und langweilig.

Ich bin als Kind mit dem typisch schweizerischen Würzmittel Aromat aufgewachsen. Für alle Nicht-Schweizer, Aromat ist ein Salz-Gewürzgemisch mit viel Glutamat drin. Also einem Stoff der den Geschmack verstärkt. Bei mir wurde alles mit Aromat gewürzt und schmeckte sofort viel besser! Leider ass ich dann auch von allem mehr. Was mir wohl nicht mit meinen Gewichtsproblemen half, mit denen ich als Kind und Jugendliche zu kämpfen hatte.

Als ich etwas älter wurde und selber für mich zu kochen begann, strich ich Aromat vom Ernährungsplan. Auch Salz wurde und wird nur noch begrenzt eingesetzt. Und mein Gaumen hat sich daran gewöhnt und inzwischen schmeckt mir zu Salziges nicht mehr. Dasselbe passiert mir mit dem Zucker. Ich versuche jedes Rezept das Zucker enthält mit weniger oder gar keinem Zucker zu machen. Oder den Zucker durch Früchte wie Bananen und Datteln oder Äpfel zu ersetzen. Und natürlich ist es nicht dasselbe, aber es geht mir besser damit.

Ich habe vor ein paar Jahren versucht zu Weihnachten eine gesunde Mango-Creme zu machen. Ohne Zucker. Die Creme hat auch super geschmeckt. Das Problem war, dass ich dazu Weihnachtsgebäck gereicht habe das normal gezuckert war. Und im Vergleich dazu war dann meine Creme unglaublich unsüss….und meine Familie alles anders als begeistert.

Es gibt wohl einfach gewisse Traditionen, die ohne Zucker nicht so gut funktionieren. Und ich glaube sogar, dass das okay ist. Wenn wir finden, dass wir an Weihnachten oder Geburtstagen einfach mal süsse Kekse und Kuchen brauchen und die dann auch geniessen, sollte das okay sein.

Genau das ist mir  dieses Jahr wieder zu Weihnachten passiert. Ich habe traditionelle Kekse gebacken für die Familie an Heiligabend und Weihnachten. Und ich habe mich unglaublich darauf gefreut. Das Problem war nur, dass ich schon beim Backen das Gefühl hatte, dass der Teig und Gebäck viel zu süss sind. Und als dann Weihnachten da war, schmeckten mir die Kekse gar nicht mehr so toll wie früher (meiner Familie jedoch schon und deshalb werde ich sie wohl auch im nächsten Jahr wieder mit Zucker (aber wohl nicht ganz so viel wie im Rezept steht- psst- nicht verraten) zubereiten).

Mein Zuckersinn hat sich also tatsächlich gewandelt. Das hat mich natürlich gefreut. Sehr sogar. Das Gleiche ist mir schon mit Schokolade passiert. Früher konnte ich meine Finger nicht davon lassen und jetzt finde ich ab und zu ein Stück (von der gesunden Sorte) wirklich genug (was mir mein Mann mit Erstaunen bestätigt hat als ich ihm diesen Artikel vorgelesen habe).

Aber und jetzt kommt das grosse Aber: Leider würde dieser (Sinnes)Wandel nicht sehr lange anhalten, wenn ich nun dauernd wieder Zucker essen würde. Es geht sehr schnell und der Geschmack hat sich wieder daran gewöhnt und die Lust ist zurück. Darum ist es mir auch wichtig, nach den 2 Kekstagen wieder keinen raffinierten Zucker mehr zu essen, um nicht in Versuchung zu kommen.

Und auch dann bemerke ich schon deutliche Abhängigkeitszeichen. Dieser Zuckerentzug dauert bei mir jeweils 3 Tage an denen ich gegen die deutliche erhöhte Lust auf Süsses ankämpfen muss. Aber danach ist es meistens wieder gut und es geht auch ohne.

Und nein, ich bin keine Heilige oder habe mich unglaublich im Griff- eher das Gegenteil. Natürlich esse ich ab und zu etwas mit Zucker. Der Unterschied zu früher besteht einfach darin, dass ich mir danach meistens eingestehen muss, dass es mir nicht mehr so schmeckt und ich es auch weglassen könnte… Aber das ist ein langer Weg und wird noch viele Zuckermomente beinhalten. In der Zwischenzeit versuche ich weiter gesunde Rezepte ohne Zucker zu kreieren (oder zu finden), die mir die schwachen Momente etwas leichter gestalten 🙂

 

 

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