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Der Traum vom Leben

Ich habe immer davon geträumt zu schreiben und eine bekannte Schriftstellerin zu sein.

Meinen Arbeitsplatz habe ich mir folgendermassen vorgestellt: Ein wunderschöner weisser Sandstrand, türkisblaues Wasser, ein laues Lüftchen, Wellenrauschen im Hintergrund und ich sitze im Schatten einer Palme und schreibe.
Die Hängematte hängt zu meiner Rechten und schwingt leicht im Wind. Neben mir auf dem Tisch steht ein Krug kühles Wasser mit Limettenschnitzen. Ich bin völlig in mir ruhend und zufrieden mit mir und der Welt. Und nichts hält mich davon ab, in meine Welt des Schreibens abzutauchen. Ein wunderschönes Bild.

Dieses Traum-Bild begleitet mich seit Jahren. Ich habe mir immer gesagt, dass ich zum Schreiben Zeit, Ruhe und eine beständige finanzielle Situation brauche. Denn unter Druck kreativ sein zu müssen schadet den Geschichten. Aus diesem Grund habe ich mich in meinem Leben bereits einmal gegen die Kunst entschieden. Ich konnte mir nicht vorstellen mit dem ständigen Druck und der finanziellen Ungewissheit des Schauspiels umgehen zu müssen. Dazu kommt das ständige Hinterfragen des eigenen Könnens, denn nur die wenigsten schaffen es in diesem Beruf zu Ruhm und Anerkennung. Nein, damit wollte und konnte ich nicht leben.

Und nun kommt Corona. Und nimmt mir mein Leben wie ich es kenne.

Und nun kommt Corona. Und nimmt mir mein Leben wie ich es kenne. Meine Arbeit, meine finanzielle Sicherheit und mein Sozialleben. Und nachdem der erste Schock verdaut war, meine Diplomarbeit beendet und keine riesigen Projekte mehr anstanden, klopfte mein Traum an die Hinterpforte. Denn so eine Chance (Zeit zu haben, nicht abgelenkt zu sein) kommt (hoffentlich) nicht wieder. Aber geht das überhaupt ohne weissen Sandstrand? Ohne Wellenrauschen?

Aktuell sitze ich in kurzen Hosen im Schatten auf dem Balkon. Auf dem kleinen Tisch vor mir der Laptop. Neben mir hängt die Wäsche zum Trocknen an einem Ständer. Der Balkon ist kahl und leer, da wir ihn diesen Winter haben umbauen lassen und die Möbel aufgrund der Coronakrise noch nicht den Weg zu uns gefunden haben.

Und doch schreibe ich. Ob es ein Buch wird? Wohl kaum. Eher ein Text zum Nachdenken. Ich glaube das habe ich in den letzten Tagen und Wochen über mich gelernt. Ich werde keine berühmte Schriftstellerin mehr. Und bin darüber nicht unglücklich.

Die Tatsache ist die: ich helfe gerne Menschen. Ich bin gerne Therapeutin. Ich liebe es die Leute zu ermuntern, das Leben zu erkunden und zu geniessen. Ich versuche sie zum Lachen zu bringen. Zum Nachdenken. Normalerweise tue ich das in Gesprächen, die aktuell leider nicht mehr stattfinden dürfen.

Deshalb versuche ich es nun übers Schreiben.

Denn der Drang zu helfen oder die Leute weiterzubringen geht nicht einfach weg, nur weil mein Geschäft geschlossen ist.


Denn der Drang zu helfen oder die Leute weiterzubringen geht nicht einfach weg, nur weil mein Geschäft geschlossen ist.

In dem ich mich öffne und über meine Erfahrungen schreibe, hoffe ich, die Leser durch die gewährten Einblicke zum Nachdenken und manchmal auch zum Schmunzeln zu bringen.

Und ich darf schreiben. Ohne Druck und ohne Ziel. Einfach weil es mir Spass macht.

Also ist es vielleicht auch für Dich an der Zeit, einen alten gehegten Traum aus der Versenkung zu holen? Ihn neu zu beurteilen und ihn vielleicht ganz anders zu leben als Du es Dir immer vorgestellt hast? Meistens blockieren uns die klaren Vorstellungen mehr als das sie uns helfen. Solange nicht exakt alle Teile der Vorstellung in der Realität angekommen sind, kann der Traum sich nicht erfüllen.

Ich glaube wir stehen uns da sehr oft im Weg. Solange ich noch diesen Traum vom vermeintlichen Traum-Leben habe, wird mein reales Leben immer nur zweite Wahl sein. Denn wenn mein Traum in Erfüllung geht, dann wird ja sowieso alles anders….

Vielleicht sollte man das Ganze anders angehen. Das reale Leben zum Traum-Leben machen.

Vielleicht sollte man das Ganze anders angehen. Das reale Leben zum Traum-Leben machen.

Wir haben es (hier in der westlichen Welt) in der Hand das Leben so zu gestalten, dass wir nicht ungelebten Träumen nachtrauern müssen.

Dazu ist es wichtig, herauszufinden was Du in Deinem Leben möchtest. Was ist Dir wichtig? Was hindert Dich, Deine Träume zu leben? Sind Deine Träume eventuell auch kompatibel mit dem realen Leben?

Zu oft denken wir in schwarz oder weiss. Das eine ist nicht möglich, solange das andere noch ist. Auch hier würde ein Perspektivenwechsel Sinn machen. Es ist nie nur schwarz oder weiss. Nie Yin oder Yang. Wo das eine ist, ist immer auch das andere. Es gibt Übergänge und Wechsel. Wo Fülle ist, ist gleichzeitig Leere (an Fülle) und umgekehrt. Nichts ist statisch. Alles ist in Bewegung, alles ist im Fluss.

Doch manchmal blockiert uns die Angst und hält uns vom Fliessen ab. Die Angst, einen alten Traum loszulassen. Leider kann ohne das Loslassen nichts Neues entstehen. Abschied heisst auch immer wieder Neubeginn.

Mein Traum der berühmten Schriftstellerin loszulassen hat eine Weile gedauert. Und doch fühlt es sich gut an. Denn das Schreiben bleibt mir ja. Und ich bleibe damit mir und meinem Leben treu.

Man stelle sich vor, da sitze ich am Strand unter Palmen und schreibe. Wo ist denn mein Mann? Meine Familie? Meine Freunde? Zuhause in der Schweiz? Oder habe ich das alles im Schriftstellerleben gar nicht mehr, weil mir der Ruhm zum Glücklichsein reicht??

Mir hat es geholfen, mein Traum zu hinterfragen und zu merken, dass die wirklichen wichtigen Dinge bereits in meinem Leben sind.


Mir hat es geholfen, mein Traum zu hinterfragen und zu merken, dass die wirklichen wichtigen Dinge bereits in meinem Leben sind. Nun nehme ich diese Realität als Ausgangslage für mein Traum-Leben.

Das heisst nicht, dass wir nicht mehr träumen sollen. Nein bitte unbedingt weiter träumen!!! Ich glaube, dass Träume uns zeigen können, was uns im Leben fehlt. Nur sollte man vielleicht die Träume nicht unbedingt eins zu eins in Leben holen wollen. Sondern eher die Botschaft (der Seele) dahinter zu verstehen lernen. Und die Lücke im Einklang mit dem realen Leben schliessen.

Alles Liebe

Deine Regula

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