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Bikini-Diät? Nein danke, es regnet doch sowieso Und was die TCM dazu sagt...

Bikini-Diät

Diesen Artikel habe ich im Juli 2016 für den atmarama yoga Blog verfasst und freue mich, ihn hier auch veröffentlichen zu dürfen…

 

Ist es Dir auch aufgefallen? Es ist wieder Zeit für das jährliche schlechte Gewissen. Seit ein paar Monaten werden wir mit diversen Möglich- und Unmöglichkeiten für die schnelle Bikinifigur torpediert. Ob Facebook, Twitter oder Werbung, man kann dem Thema nicht entfliehen.

Wahrscheinlich bin ich nicht die Einzige, die dann die Bilder der perfekten Bikinifigur anguckt, den Bauch etwas einzieht und sich überlegt, ob ich nicht doch auch noch rasch was für den ultimativen Bikinibody tun soll…. Und natürlich lese ich immer sofort alle Artikel, innerlich auf die neue ultimative Zauberlösung hoffend. 

Am Abend ins Bett gehen und am Morgen mit 2-4 Kilo weniger aufwachen… Hach…
Geistig bestelle ich mir schon mal den neuen Bikini – am besten in Grösse 36

Am Abend ins Bett gehen und am Morgen mit 2-4 Kilo weniger aufwachen… Hach…
Geistig bestelle ich mir schon mal den neuen Bikini – am besten in Grösse 36. Meistens lese ich dann jedoch die Diätanleitung und kapituliere.
In zwei Wochen 2-3 Kilo abnehmen? Dafür muss ich nichts tun ausser Kalorien zählen (das ist zwar nicht so schwer, denn es sind so wahnsinnig wenige), nur noch Smoothies zu trinken, unglaublich schweisstreibende Fitnessübungen auf mich zu nehmen und noch meinen Darm mit abführenden Mitteln zu malträtieren?? Und das alles ohne was zwischen den Zähnen?
Wo bleibt denn da der Spass? Die Freude am Essen?
Mir tut jetzt schon mein Mann leid. Ich werde schon nur beim Gedanken an so eine drastische Diät hungerböse.

Und was dann? Ganze 2 Tage einen flachen Bauch haben?
Das Problem ist, und da pflichten mir sicher viele bei, solche drastischen Massnahmen halten leider oft nicht lange hin. Und der Bauch wölbt sich nach der nächsten richtigen Mahlzeit bereits wieder. Oft schwächen wir uns mit solchen drastischen Diäten sogar. Die Verdauung kommt durcheinander und die Energie fehlt.
Also muss eine andere Lösung her.

Ganz schlaue sind vielleicht schon auf die Idee gekommen, an einen Ort zu ziehen, an dem man nie und nimmer den Bikini braucht. Doch beim heutigen Klimawandel gibt es wohl bald auch am Nord- und Südpol Bikiniwetter. Die armen Eisbären, ob die wohl schon bikinifit sind?

Dann bleibt uns wohl nur noch die andere Lösung: eine nachhaltige Veränderung der Essgewohnheiten.

Ja, ich weiss, keine 2 Wochen Diät *seufz*, sondern eine Lifestyle-Veränderung/-anpassung…
Ich bin gegen Diäten. Kriege schon nur vom Wort selber Ausschlag und nehme 2 Kilo zu. Aber ich weiss natürlich, dass es Menschen gibt, die eine Vorlage resp. einen Plan brauchen um abzunehmen. Nur glaube ich dass jeder Mensch andere Bedürfnisse und Essgewohnheiten hat. Und deshalb muss auch jeder seinen eigenen Weg zum Traumkörper finden. Oder seine eigene Definition des Traumkörpers.

In meiner Akupunkturpraxis versuche ich immer meinen Patienten Richtlinien vorzugeben und möglichst wenige Einschränkungen. Eigentlich wäre es mein Ziel, sie soweit zu bringen, dass sie selber merken, was ihnen gut oder nicht so gut tut und wo ihr Wohlfühlgewicht ist.

 

Voraussetzungen zum Ab- oder Zunehmen

Wichtige Voraussetzungen, damit man überhaupt erfolgreich ab- oder zunehmen kann, sind:

  • Schlaf: Ja, es ist wirklich so einfach.  Guter Schlaf wirkt Wunder. Wenn wir gut und genügend schlafen (8 h wären super) sind wir nicht dauernd müde und müssen uns nicht mit zuckerhaltigen, aufputschenden Nahrungsmitteln am Einschlafen hindern.
  • Wenig Stress: Stress verhindert oft das Abnehmen. Viele Leute essen wenn sie unter Anspannung stehen, da Essen – und v.a süsses Essen – eine entspannende Wirkung hat.
  • Gute Verdauung : Ja wir reden nicht gerne darüber. Aber eine gute Verdauung ist die Grundlage für jede Gewichtsveränderung. Schliesslich passiert dort der ganze Zauber. Oft trinken die Leute nicht genügend und die Verdauung gerät ins Stocken. Oder die ganze Anspannung und der ganze Stress des Alltags bringen alles zum Erliegen. Oder wir sind so nervös, dass wir gar nichts halten können und alle Nährstoffe fliessen ungenutzt durch uns hindurch…(und aus uns hinaus).

Sind diese drei Dinge im Lot, dann haben wir gute Voraussetzungen auf dem Weg zum Wohlfühlgewicht.

(Kleine Anmerkung: es gibt immer wieder Leute, die so dizipliniert sind, für die gelten keine der obigen und nachfolgenden Regeln, die haben es einfach so drauf… zum Neidischwerden).

 

Sicht der TCM

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) versuchen wir auf die jeweiligen Stärken und Schwächen der Menschen einzugehen. Essen ist in der chinesischen Medizin unglaublich wichtig

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) versuchen wir auf die jeweiligen Stärken und Schwächen der Menschen einzugehen. Essen ist in der chinesischen Medizin unglaublich wichtig (vielleicht einer der Gründe, wieso ich da gelandet bin). Die Nahrung ist Prävention, Therapie und Unterstützung zugleich. Man sagt nicht umsonst: „Du bist was du isst“.

Aus der zugeführten Nahrung entsteht in verschiedenen Prozessen Qi. Qi ist unsere Lebensenergie. Ist die nahrungsverarbeitende Mitte (Magen/ Milz) geschwächt, bleibt die Nahrung liegen und wird nicht in Qi umgewandelt, es bilden sich Feuchtigkeit und Schleim. Dadurch kommt es zu Verdauungsproblemen und Müdigkeit und evtl. Übergewicht.

Für die Aufnahme, Umwandlung und Verarbeitung der Lebensmittel ist Wärme nötig. Darum ist es aus der Sicht der TCM wichtig, kalte und rohe Produkte zu vermeiden, da sie die Verdauung schwächen. Eine einfache Regel ist die folgende: die ersten 10 Bisse und Schlucke müssen warm sein. D. h., wenn ich zum Frühstück ein Brötchen esse, trinke ich zuvor einen warmen Tee. Wenn ich zum Mittagessen einen Salat esse, esse ich zuvor eine Suppe….

Eine gute Mitte zu haben ist also unser Ziel auf dem Weg zum Wunschgewicht. Magen und Milz werden durch verschiedene Dinge geschwächt, die leider in der heutigen Zeit immer öfters die Regel statt die Ausnahme sind:

  • Schnelles, unregelmässiges Essen, ungenügendes Kauen
  • Fertiggerichte mit Zusatzstoffen oder Fastfood
  • Kaltes oder rohes Essen
  • Kalte Getränke
  • Ein Zuviel an Nahrung
  • Zu viel Zucker
  • Zu viele Kuhmilchprodukte

 

Wie können wir unsere Mitte stärken?

  • regelmässige Mahlzeiten (3 mal täglich, keine Mahlzeiten auslassen)
  • zu den Mahlzeiten nicht oder nur wenig trinken, aber über den Tag verteilt 1,5-2 l trinken
  • warme, gekochte Mahlzeiten
  • biologisch angebaute, saisonale und lokale Produkte
  • viel frisches Gemüse und frisches Obst (nicht roh, am besten gedünstet)
  • Ersetzen von Kuhmilchprodukten durch Schaf- oder Ziegenmilchprodukte
  • Reduktion des Zuckerkonsums
  • die ersten zehn Schlucke oder Bissen müssen warm sein
  • Vermeiden von Alkohol und frittierten Produkten
  • Ersetzen von Weizen- Produkten durch Dinkel- oder Roggenprodukte
  • sich Zeit nehmen zum Essen, häufiges Kauen, gute Haltung
  • nicht überessen
  • keine Mahlzeiten nach 19 Uhr
  • angemessene Bewegung, gutes Atmen

 

Wie ihr seht, geht es eben doch nicht ohne ein paar Regeln.
Und natürlich gilt das Altbekannte: man kann nicht abnehmen, wenn man mehr isst, als der Körper verarbeiten kann. Und Bewegung hilft dabei extrem. Durch die Bewegung wird Spannung abgebaut und Muskeln aufgebaut.
Aber wie alles im Leben soll auch das Essen immer noch Spass machen. Eine genussvolle Sünde liegt ab und zu schon drin – ohne dass wir die Bikinifigur ganz ruinieren…. und sonst regnet es bestimmt ja schon bald wieder…

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