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Regula Kaltenrieder

Sein

Ist denn Zucker wirklich böse??

Ich werde in meiner Praxis immer wieder mit der Aussage konfrontiert, dass so ein bisschen Zucker doch der Seele gut tut oder dass man doch auch noch etwas Schönes im Leben braucht. 

Grundsätzlich verstehe ich die Aussage und kann mich einfühlen. Und jetzt kommt das Aber: wenn ich sonst schon gesundheitliche Probleme habe, dann ist der Zucker eben nicht Balsam für die Seele oder das Schöne im Leben, sondern evt. genau das Zünglein an der Waage, wieso es mir nicht mehr gut geht. 

Dazu muss uns auch bewusst sein, dass Zucker im höchsten Mass süchtig macht.



Dazu muss uns auch bewusst sein, dass Zucker im höchsten Mass süchtig macht. Auch wenn viele mir das nicht glauben :).

Darum rufe ich zu diesem Selbstexperiment auf. Wer es schafft die nächste Woche ohne raffinierten Zucker zu sein und keine Gelüste zu haben, vor dem ziehe ich meinen Hut. Denn das ist wohl eher die Ausnahme und in dem Fall würde ich auch sagen, dass keine Suchtproblematik besteht. 

Bei allen anderen hingegen wohl schon. Man kann es ja auch mit dem Alkohol oder dem Rauchen vergleichen. Wenn man täglich etwas konsumieren muss und es nicht mehr ohne geht, dann ist das doch ein Suchtverhalten, oder nicht?? Nur ist das irgendwie beim Zucker gesellschaftlich akzeptiert und inzwischen auch normalisiert….

Und wenn man dann als Therapeut kommt und auf den Zuckerkonsum hinweist, dann werden die Schotten dicht gemacht. 

Noch einmal. Ich verstehe es. Essen ist ein unglaublich emotionales Thema (auch für mich!!) und gerade der Zucker „hilft“ da vielen Leuten über ihre Tiefs hinweg. Nur hilft er wirklich? Ist es nicht (und wieder ein krasser Vergleich) wie bei den Drogen? Mir geht es nicht gut, ich esse Zucker und dann geht es mir für 1-2 Stunden besser und danach kommt das Tief (des Blutzuckers) und ich habe entweder wieder Hunger oder mir geht es wieder nicht mehr so gut. 

Zucker hat etwas Tröstendes. Zucker ist süss. Der süsse Geschmack nähr und entspannt in der chinesischen Medizin. Es macht also durchaus Sinn dass man zum Süssen greift, wenn man angespannt, traurig oder sonst was ist. Nur wäre es halt sinnvoll wenn das Süsse etwas Süsses wäre, was schon von Natur aus süss ist.

Und da kommt dann die nächste Frage ins Spiel, mit der ich oft konfrontiert werde: Sind den Bananen und Datteln mit ihrem sehr hohen Zuckergehalt wirklich besser als raffinierter Zucker??

Sind den Bananen und Datteln mit ihrem sehr hohen Zuckergehalt wirklich besser als raffinierter Zucker??

Und diese Frage finde ich höchst berechtigt. Meine Antwort darauf lautet wie folgt: wenn die Banane und die Dattel einfach als Zuckerersatz eingesetzt werden und das Verhalten aber nicht überdacht, dann sind sie nicht gesünder.

Wird aber grundsätzlich der Zuckerkonsum überdacht und aus diesem Grund auch weniger konsumiert, dann ist es sicher so, dass Bananen und Datteln die gesündere Variante sind. Der Vorteil an diesen Zuckeralternativen ist meistens dass sie den Blutzucker langsamer ansteigen lassen und zusätzlich noch Nährstoffe enthalten.

Aber auch da ist es wichtig, dass man sich bewusst ist, dass Früchte einen hohen Anteil an Zucker enthalten. Will ich also meinen Blutzucker ruhig halten, dann sollten Fruchtsäfte und Früchte in grossen Mengen vermieden werden. Aber das ist dann quasi Schritt zwei aus der Zuckersucht :).

Es geht mir also in erster Linie ums Umdenken. Man soll sich wieder vermehrt achten wann und wieso man was isst. Wieso brauche ich aktuell etwas Süsses? Geht es mir nicht gut? Riecht es nach was Feinem? Langweile ich mich? Bin ich müde? Bin ich angespannt? Traurig?? Gefrustet?? Braucht mein Körper Energie?

Denn nur so finden wir heraus, wieso wir Zucker in hohen Massen konsumieren. Denn der Zucker ist nicht die Lösung für die obigen Probleme. Die müssen anders angegangen werden. Ganz brutal gesagt, Zucker ist kein Antidepressiva/ Spannungslöser ohne Nebenwirkungen. Ganz im Gegenteil. Auf der Packungsbeilage würde stehen: kann zu Übergewicht, Hautunreinheiten, Stimmungstiefs, innerer Unruhe, hormonellen Schwankungen usw. führen.

Auf der Packungsbeilage würde stehen: kann zu Übergewicht, Hautunreinheiten, Stimmungstiefs, innerer Unruhe, hormonellen Schwankungen usw. führen.

Aber leider gibt es keine Packungsbeilage und keinen Arzt/Apotheker der einem über die Nebenwirkungen aufklärt, dafür gibt es Zucker überall und immer zu kaufen. 

Und wieso poste ich dann immer auch wieder süsse Rezepte, wenn ich doch nicht will dass die Leute Süsses konsumieren?  Weil ich weiss dass dieses Umdenken nicht von heute auf morgen geschehen wird. Weil der Körper und die Zunge eine Weile braucht um zu realisieren, wie süss süss wirklich ist. Weil ich denke, dass etwas, dass ich selber gemacht habe, einen anderen Stellenwert hat, als etwas dass ich im Vorbeigehen in einer Bäckerei kaufe. Weil ich so sicherstelle, dass die anderen Zutaten nicht auch noch schwierig für den Körper sind.  Und weil auch ich Süsses in Massen mag 🙂